Vintage Looks: Gestern wird heute wird morgen

Vintage Look & Retro Style: Was bedeutet das eigentlich?

Vintage Look, Retro & Retro Style sind Begriffe, die gerade wieder in vieler Munde sind. Dabei greift jeder Begriff sehr weit zurück und schlägt Brücken bis in unsere heutige Zeit. Vintage Look und Retro Look haben ihre Wurzeln als Begriff nämlich im Lateinischen, bedienen sich zudem aus dem Englischen und sind heute bei uns in Deutschland gebräuchlich: Wenn das keine Zeitreise und kein „Brückenbauen“ ist, was dann?

Zudem passt das irgendwie sehr gut, denn der Begriff Vintage und Retro bedeuten so viel wie „zurück“ oder „rückwärts“: Somit blicken Vintage Möbel, Vintage Mode und Vintage Style ganz allgemein zurück oder nach hinten – natürlich jeweils in frühere Zeiten.

Dabei geht es in der Mode, der sich die folgenden Inhalte widmen, selbstverständlich nicht um Sprache. Es geht um Trends, Looks, Design und Styling früherer Zeiten. Ein bisschen geht es bei Vintage manchmal auch um Zeitgeist, um eine Hommage am Besonderen vergangener Tage und teils auch um eine romantische Verklärung früherer Epochen und der „guten, alten Zeit!“ Die Produkte werden zum Sinnbild und überraschen mit kreativen, modischen Zitaten in Farbe, Form, Linienführung, Dekoration und Arrangement. Der Modestil ist alt oder altbewährt. Die Ausführung der Artikel ist modern interpretiert und Material und Qualität sind zeitgemäß hochwertig. So entsteht der Vintage Style in der Mode.

Wie wär’s mit einem Beispiel? Kleider, Shirts und Hosen in Übergröße waren in den 1990ern angesagt. Heute sind solche Schnitte wieder in und Maxi Kleider werden z.T. als der neueste Schrei präsentiert. Allerdings zeigen sich eben auch Unterschiede, wie etwa bei der Materialwahl. Noch einleuchtender sind etwa Schlaghosen oder Leggins: Beides war in den 60ern verbreitet und beliebt und kommt heute aus modernen Textilien zurück.

Bisweilen führt die Mode hier auch alte und neue Trends zusammen, um einen Vintage Look zu kreieren: Die Lederjacke, bekannt aus den 1980ern, ist heute nicht mehr aus Leder, sondern meist aus hochwertigem Kunstleder. Ganz besonders gilt das auch für Pelz, denn echter Pelz lässt sich kaum noch vertreten: So greift Vintage Mode auf moderne Textilien zurück.

Zum Vintage Look kannst Du übrigens nicht nur Deine Kleidung passend zusammenstellen. Wer mit seiner Karottenhose und Rüschenbluse seinen Matcha Latte aus dem geblümten Porzellan schlürft, ist hip und Vintage zugleich. Wenn dann noch das Make-up passt, ist alles perfekt und die Hommage an frühere Zeiten wird zum echten Lifestyle.

Modestil: Vintage Stücke erzählen ihre eigenen Geschichten

Das Besondere an einem gelungenen Vintage Outfit ist die Geschichte dahinter. Was heißt das? Eine normale Jeans ist trivial. Die Schlaghose hingegen ist ein Vintage Stück und damit ein modisches Statement. In den 1970ern war sie ein Star und wurde auf internationalen Festivals getragen. Sie avancierte zum Symbol der Freiheitsbewegung von Frauen, brachte knallige Farben ans Bein und spielte auch im Showbusiness eine prägende Rolle. Heute zitiert eine moderne Schlaghose also ein wichtiges Stück Zeitgeschichte.

Zweites Beispiel: Ripped Denim. Zerrissene Jeans gibt es gefühlt schon ewig. Immer wieder kommen die Klassiker in Mode und sind das Aushängeschild des beliebten Used Look. Alles begann in den 1980er Jahren. Damals waren die abgenutzten Beinkleider nicht einfach ein Kleidungsstück, sondern sie brachen ganz bewusst mit Konventionen. Zerrissene Kleidung galt zuvor als Zeichen für Ungepflegtheit. So entstand eine „modische Diskussion“ oder ein „modischer Schlagabtausch zwischen spießiger Marke und freier Selbstverwirklichung. Heute feierst Du mit Deiner Used Jeans daher den Freiheitsgedanken jener Zeit.

Stil mit Jahrgang: Aktuell beliebte Vintage Vorbilder

Eine ganz bedeutende Trendsetterin für heutige Vintage-Mode ist Marlene Dietrich. Sie steht mit ihrem Namen symbolhaft für ihren individuellen Stil, der nach ihr Tausende starke und selbstbewusste Frauen inspirierte.

Nicht weniger berühmt ist Grace Kelly mit ihrem kühlen Stil. Besonders angesagt aktuell: Schluppenblusen und Perlenschmuck, mit dem Frauen die 1950er und 60er zitieren und zugleich ein modernes Fashion-Statement setzen.

In eine ganz andere Richtung geht der Stil von Marianne Faithful, die als eine der Begründerinnen des Boho-Styles gilt. Boho steht für eine ganze Reihe von Stilrichtungen, die sich hier vereinen – von Hotpants bis zu den schwingen Kleidern der ersten Hippies. Eine moderne Vertreterin der Stilrichtung ist zum Beispiel Kate Moss.

Auch Audrey Hepburn, Marilyn Monroe und Julia Roberts setzen so manche Artikel ein modisches Denkmal und führen den Vintage Gedanken zu voller Blüte: Das braune Kleid mit den weißen Punkten, das Julia Roberts in Pretty Woman beim Pferderennen getragen hat, ist heute Kult und ein echter Retro-Klassiker.

True Vintage oder moderner Retro-Stil?

Bei Vintage gibt es zwei grundsätzliche Strömungen, die wir kurz sortieren wollen: Mode, die einzelne oder mehrere Elemente früherer Kollektionen zitiert, und True Vintage also „wahre Vintage Mode“.

Letzteres ist gemäß einiger Definitionen ein Sammelbegriff für Outfits, die tatsächlich aus der jeweiligen Zeit stammen. Über einen regulären Einkauf sind diese Originale meist gar nicht mehr zu haben. Auf der Suche nach (wieder) angesagten Teilen lohnt sich ein Blick in den Kleiderschrank der Eltern. In seltenen Fällen schlummern dort echte Schätze, weil sie original aus Zeiten vor der Einführung der E Mail stammen.

Bei Stücken aus dem True Vintage wird gerne mit modernen Accessoires kombiniert: Zur Schlaghose aus den 70ern in leuchtendem Ocker gibt es eine lässige Bluse und elegante Stiefeletten. So gelingt eine modische Liaison, die zwei Jahrhunderte verbindet.

Manchmal sind es übrigens auch nur die Materialien, die von alten Modeschöpfungen übernommen werden. Das wohl beste Beispiel: Cord. Während es über Jahre nur ein Nischendasein fristete, ist Cord jetzt wieder voll angesagt. Aber zum Teil raffinierter als früher, etwa in Form von elegantem Babycord.

Key Pieces als wesentliche Elemente

Was macht ein Outfit also zum Vintage Look? Sind es komplette Sets oder nur einzelne Produkte? Meist sind es in der Tat spezielle Key Pieces: XL-Blazer mit Schulterpolster waren zum Beispiel die angesagten Kleidungsstücke der 1980er Jahre. Sie sind so stilprägend, dass der Rest kaum ins Auge fällt. Das heißt: Mit einem extra breiten Oberteil lässt sich schnell ein authentischer 80ies-Look zaubern. Modisch kombinierst Du diese Teile heute zum Beispiel mit einer schlanken Lederhose. Jede Mode-Epoche hat einzigartige, unverkennbare Teile, die zum Key Piece taugen.

Für wen eignet sich Vintage?

Das Gute: Den einen Vintage-Stil gibt es nicht! Schlaghosen zaubern eine schlanke Silhouette und eignen sich daher für die große Größe. Auf der anderen Seite sind breite Blazer unvorteilhaft für alle, die an sich schon kräftige Schultern haben: Hier rächt sich die große Größe. Für andere Stücke, etwa aus dem Bereich Boho, braucht es heute zudem eine gute Portion Mut, um den Style selbstbewusst durch die City zu tragen.

Unsere 2 Tipps in dieser Frage: Ausprobieren und anprobieren! Finde vor allem Deinen Weg und fühle Dich angenehm wohl und hübsch.

Mode: Kommt alles irgendwann wieder?

Kommt wirklich jede Mode wieder? Experten aus dem Bereich Fashion sagen: Ja. Und sie scheinen Recht zu behalten. Was anfangs oft als Modesünde galt, ist heute Kult und hat schon Comebacks genossen. Schmuck, den man von alten Bildern kennt, findet sich heute auf Instagram und Modeschauen.

So mancher Artikel, der bei einer aktuellen Verleihung einen Design-Preis gewinnt, zitiert gekonnt eine altbewährte Formensprache. Für die Fans bewährter Looks sind das also gute Nachrichten: Mit etwas Geduld darf man das geliebte Menü von vorgestern auch übermorgen wieder aufklappen und ganz neu und frisch genießen.

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